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Die KI-Falle bei Motivationsschreiben


Wenn Bewerber individuelle Antworten fordern, aber selbst den Bot schreiben lassen.


Stell dir vor, du versendest eine standardisierte Absage via Bewerbermanagement-System – effizient, höflich und bei 20 Bewerbungen am Tag schlichtweg überlebensnotwendig. Kurz darauf erhältst du eine gepfefferte Antwort: Der Bewerber beschwert sich. Er habe sich schliesslich „echt Mühe gegeben“ und erwarte nun auch eine ehrliche, individuelle Begründung statt einer Standardmail.


Das macht einen erst einmal nachdenklich. Hat er recht? Sollten wir uns mehr Zeit nehmen?

Bevor ich geantwortet habe, packte mich die Neugier. Ich liess sein Begleitschreiben durch eine KI-Erkennungssoftware laufen. Das Ergebnis: 90% Wahrscheinlichkeit, dass der Text von einer KI generiert wurde.


Willkommen in der neuen Recruiting-Realität

Hier zeigt sich eine faszinierende Doppelmoral: Arbeitgeber sollen (oder dürfen aus Sicht der Bewerbenden) keine automatisierten Prozesse nutzen, während die Bewerbungen selbst immer häufiger per Knopfdruck entstehen. Sei es der Lebenslauf oder das Motivationsschreiben – der Algorithmus schreibt für den Menschen.

Versteht mich nicht falsch: KI ist ein grossartiges Werkzeug. Aber wer selbst „Standard“ liefert, kann nicht „Massarbeit“ verlangen.


Wo bleibt der persönliche Einsatz?

Was mich als Verantwortlicher für People & Culture viel mehr beschäftigt, ist ein anderer Trend: Von 50 Bewerbenden ruft vielleicht noch einer an, um nachzufragen, ob die Unterlagen eingetroffen sind oder wie der Prozess in unserer Firma aussieht.

Statt die Zeit in das perfekte Prompting für die KI zu investieren, wäre ein kurzes Telefonat oft viel effektiver. Es zeigt echtes Interesse, schafft eine erste persönliche Verbindung und hebt einen sofort aus der Masse der KI-generierten PDF-Wüsten hervor.


Mein Fazit: Zurück zum Menschen

Wir nutzen Tools wie Abacus, um die Flut an Bewerbungen zu bewältigen. Das ist kein Mangel an Wertschätzung, sondern Prozessoptimierung. Wenn Bewerber aber die „menschliche Note“ fordern, müssen sie auch bereit sein, selbst menschlich zu agieren:


  1. Eigenleistung statt Copy-Paste: Nutzt KI als Inspiration, aber verleiht dem Text eure eigene Stimme.

  2. Mut zum Hörer: Ein Anruf bewirkt mehr als zehn KI-Mails.

  3. Realismus: Bei hoher Bewerberzahl sind Standard-Absagen ein notwendiges Übel, um überhaupt zeitnah zu antworten.


Hört auf, den Arbeitgebern Automatisierung vorzuwerfen, wenn ihr selbst den Bot für euch arbeiten lasst. Fangen wir lieber wieder an, echt miteinander zu kommunizieren.


Wie erlebst du das in deinem Alltag? Erhalten wir bald nur noch Post von Bots für Bots? Ich bin gespannt auf eure Meinungen!


Marco Cattaneo Inhaber HRBC | People & Culture Sparring

 
 
 

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